Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht

Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung...wie und wozu?

 

von Rechtsanwalt und Notar Wolf Nückell, Frankfurt

 

Die Beurkundung einer Patientenverfügung mit Vorsorgevollmacht durch einen Notar hat mehrere wichtige Vorteile.

 

Ein Arzt muss alle denkbaren und zur Verfügung stehenden medizinischen Möglichkeiten anwenden, sonst macht er sich strafbar wegen unterlassener Hilfeleistung. Er darf auch bei Hoffnungslosigkeit nichts unversucht lassen oder gar Behandlungen abbrechen, das wäre sogar ein Tötungsdelikt. Eine notariell beurkundete Patientenverfügung schützt ihn vor entsprechenden Vorwürfen und Anklagen. Kein Dritter, insbesondere kein Arzt,  wird die dort niedergelegten An­weisungen und Verfügungen anzweifeln oder sich diesen verweigern. Der Notar vergewissert sich bei der Protokollierung über die Geschäftsfähigkeit und  berät den Mandanten auch über die Fernwirkung der Verfügung, sodass der Einwand ausgeschlossen ist, das habe der Patient zu Zeiten verfügt, als es ihm noch gut ging und keiner wisse, ob das auch noch zur aktuellen Zeit der späteren Anwendung noch gelten solle.

 

Ein Arzt darf ohne eine wirksame Vollmacht des Patienten an seine Ver­trauensperson keine Auskünfte erteilen oder gar Anweisungen einer solchen Person entgegennehmen oder befolgen. Das gilt selbst dann, wenn es sich um  nahe Angehörige handelt. Eine notarielle Vorsorgevollmacht schützt den Arzt und ermöglicht ihm,  den dokumentierten Willen in verantwortungsvolle Zusammenarbeit mit dem Bevollmächtigten auch zu verwirklichen. Zum Beispiel ist die Entscheidung über die Fortführung oder Einstellung einer künstlichen Ernährung/Beatmung, wenn der Patient das so verfügt hat, eine verantwortungsvolle Entscheidung, die einer allein kaum treffen kann. Auch schmerzlindernde, aber suchtgefährdende Mittel darf ein Arzt nur unter sehr erschwerten Voraussetzungen anwenden (Opiate), es sei denn, er kann das Einverständnis des Patienten nachweisen.

 

Eine notarielle Vollmacht stellt klar, dass diese nur für den Fall gedacht und wirksam ist, wenn der Patient außerstande ist, selbst zu entscheiden.

 

Befindet sich ein Patient in einer Situation, in der er selber nicht agieren kann und auch keinen Vertrauensperson als Bevollmächtigten bestellt hat, muss ein Gericht einen Betreuer bestellen, was natürlich mit erheblichem administrativem und finanziellem Aufwand zulasten des Patienten verbunden ist. Für eine gerichtliche Bestellung muss ein Sachverständigengutachten über die Geschäftsfähigkeit eingeholt werden, darüber hinaus entstehen Gerichtskosten und ein Berufsbetreuer ist zu entlohnen.

 

Ein Betreuer darf vom Gericht  grundsätzlich nicht bestellt werden, wenn ein privat bestellter Bevollmächtigter vom Betreuungsbedürftigen bestellt worden ist: Dem Grundsatz der Erforderlichkeit entsprechend, ist in § 1896 Abs. 2 Satz 2 BGB ausdrücklich erwähnt, dass eine Betreuung dann nicht angeordnet werden darf, wenn ein Bevollmächtigter die Angelegenheiten regelt.

 

Der Bevollmächtigte darf allerdings in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu einer Anstalt, einem Heim oder einer sonstigen Einrichtung stehen, in welcher der Vollmachtgeber unterge­bracht ist. Im BGB [§§  1896 -1908 k Titel 2   die rechtliche Betreuung] sind die Einzelheiten einer gerichtlichen Betreuung geregelt. Trotz Erteilung einer Alters­vorsorgevollmacht muss aber gerichtlich ein Betreuer bestellt werden, wenn das Gericht es für nötig hält, einen sogenannten Einwilligungsvorbehalt gemäß § 1903 BGB anzuordnen, was allerdings nur dann möglich ist, wenn erhebliche Gefahr für Person oder Vermögen des Betroffenen besteht und es davon erfährt.

 

Die notarielle Bestellung eines Bevollmächtigten durch eine Vorsorgevollmacht hat viele Vorteile.

 

Ein privat Bevollmächtigter benötigt grundsätzlich nicht die Genehmigung des Betreuungsgerichtes, und zwar auch dann nicht, wenn ein Betreuer für dasselbe Geschäft die Genehmigung des Betreuungsgerichtes einholen müsste. Selbst für bestimmte ärztliche, freiheitsentziehende und unter­bringungsähnliche Maßnahmen (§§ 1904 und 1906 BGB) kann wirksam einem privat Bevollmächtigten Vollmacht erteilt werden, ohne dass es einer gerichtlichen Zustimmung bedarf.

 

Außenstehende Dritte erfahren nichts von der Gebrechlichkeit, da es für die Erteilung einer Vollmacht eben nicht erforderlich ist, dass man die eigenen Angelegenheiten nicht mehr regeln kann (die Vollmacht ist insoweit „neutral“).

 

Eine gerichtliche Anhörung findet nicht statt; ein Sachverständigen­gutachten über die Erforderlichkeit einer Betreuung muss nicht eingeholt werden.

 

Der Bevollmächtigte unterliegt in der Regel auch nicht der Kontrolle durch das Betreuungsgericht.

 

Eine Vollmacht kann natürlich grundsätzlich auch missbraucht werden. Man kann diese Missbrauchsgefahr durch mehrere Maßnahmen eindämmen.

 

Man kann zum Beispiel zwei Personen zu Bevollmächtigten ernennen, die nur gemeinschaftlich handeln dürfen. Allerdings dürfte es oftmals schwierig sein, beide Personen zum gleichzeitigen Handeln zu bewegen. Wenn Eile geboten ist, ist das aber nicht sehr zielführend. Es wäre dann zu empfehlen, zwei Bevollmächtigte zu benennen, die im Außenverhältnis alleinver­tretungsberechtigt sind und im Innenverhältnis angewiesen werden, den jeweils anderen Bevollmächtigten zu überwachen.

 

Man könnte den Bevollmächtigten auch die erforderliche Ausfertigung der Vollmachtsurkunde nicht gleich aushändigen, sondern in einen Tresor oder einen ver­schlossenen Umschlag stecken und verfügen, dass dieser Umschlag eben nur im Falle Geschäftsunfähigkeit und bei eintreten des Notfalles zu öffnen ist.

Ein Notar könnte einen solchen Umschlag auch versiegeln mit dem Amtssiegel, wenn gewünscht.

 

Weiter kann man den Notar anzuweisen, Ausfertigungen der Vollmacht nur zu erstellen und auszuhändigen an d. Bevollmächtigten, wenn dem Notar ein oder zwei Ärzte bescheinigen, dass der Patient handlungsunfähig ist. Das kann aber zu Verzögerungen führen, die nicht zweckdienlich sind.  Schließlich sorgt auch der Text einer sorgfältig formulierten Vorsorgevollmacht dafür, dass der Bevollmächtigte nachdrücklich darauf hingewiesen wird, dass eine Vollmachtsausübung eine treuhänderische Verantwortung für fremdes Vermögen ist, die auch durch Strafvorschriften geschützt wird.

 

Viele sind der Meinung, sie bräuchten keine Vollmacht, weil sie umfassende Bankvollmachten erteilt haben. Das ist ein Irrtum.

Bankvollmachten sind Vollmachten, über das dort vorhandene Geldvermögen zu verfügen, nicht mehr.

 

Alle anderen Aktionen, die mit einer Generalvollmacht ermöglicht werden, sind mit einer Bankvollmacht nicht abgedeckt.

 

Insbesondere auch die Vollmacht für die gesundheitlichen Angelegenheiten wird durch eine Bankvollmacht nicht ersetzt, übrigens auch nicht durch eine so genannte notarielle Generalvollmacht, weil die sich regelmäßig auch nur auf Vermögensdinge bezieht.

 

Wenn keine Vorsorgevollmacht erteilt wird, gibt es für die Vertrauensperson eines Patienten im Falle eines Falles anderweitig einen „Derffschei“ (hessisch für Vollmacht) zum Handeln für eine handlungsunfähige Person nur den Weg zum Gericht, um durch die gerichtliche Bestellung zum Betreuer die erforderlichen Erklärungen abgeben zu können.

 

Damit sind die Gerichte sehr zögerlich (Stichworte: Angst vor Patientenentmündigung, Wahrung des Selbstbestimmungsrechtes, Bedarfsfeststellung, Ausübungsbegrenzung) und es ist ein sehr aufwändiger Vorgang mit unter Umständen mehreren Sachverständigengutachten, Gerichtsanträgen usw. und das dauert.

Mit Sicherheit wird aber ein Gericht einen Betreuer gerichtlich auch nur   für einen sehr begrenzten Aufgabenbereich bestellen, weil für jede Aufgabe, die der Betreuer erledigen soll, ein Bedarf vorliegen und nachgewiesen werden muss. Man muss also das Gericht davon überzeugen, dass der Aufgabenbereich auf alle gewünschten Bereiche ausgedehnt wird.  

 

Zwingen kann man ein Gericht natürlich auch nicht, einen Betreuer zu bestellen.

 

Geld sparen lässt sich damit auch nicht, weil eine gerichtliche Betreuerbestellung viel mehr Kosten auslöst als eine notarielle Vollmacht. Es entstehen nicht nur die Kosten für das Gerichtsverfahren und die Gutachter, sondern auch die Kosten für den Betreuer, denn das Gericht bestimmt aus Haftungsgründen regelmäßig einen professionellen Betreuer für den Fall, dass ein Betreuer notwendig wird. Die entstehenden Anwaltskosten hängen vom Aufwand und vom Vermögen eines Betreuten ab. Als sicher kann gelten, dass diese Kosten die Notarkosten für eine Vorsorgevollmacht bei weitem übersteigen.

 

Kosten:

 

Der Vergleich der Notargebühren zu den Beratungsgebühren des Rechtsanwalts macht die Arbeit des Notars konkurrenzlos günstig. Das Kostenargument ist auch ein Argument für den Abschluss insbesondere auch der Betreuungsverfügung, die regelmäßig auch zusammen mit der Patientenverfügung und der Vorsorgevollmacht erfolgt. Man kann für die Einrichtung einer Betreuung durch das Gericht davon ausgehen, dass Gerichtsgebühren in Höhe von rund 1% des Vermögens des Betreuten, die jährlich ausgelöst werden, durch eine private Vorsorgevollmacht erspart werden können. Natürlich entstehen auch für einen privat Bevollmächtigten gegebenenfalls Aufwandsentschädigungen, Kosten und Auslagen des Be­vollmächtigten, wenn nicht erwartet werden kann, dass die Tätigkeit aufgrund verwandtschaftlicher Verhältnisse unentgeltlich erfolgt.

 

Die Kosten eines Notares für die Vorsorgevollmacht richten sich nach dem Aktivvermögen des Vermögens. Die Ermittlung sollte einigermaßen realistisch erfolgen, damit die Vollmacht nicht unwirksam wird. Ein Außenstehender erfährt von dem Umfang des Gesamtvermögens nichts, auch nicht der Bevollmächtigte, diese Angaben unterliegen dem Amtsgeheimnis. Schulden sind nicht abzuziehen. In den Ausfertigungen für die Bevollmächtigten sind diese Zahlen nicht enthalten.

 

Ein Patient sollte nicht versäumen, auch an im Ausland befindliches Vermögen zu denken. Dort herrschen unter Umständen völlig andere Vorschriften, die sehr ungünstig sein können. Sollte solches Vermögen vorhanden sein, sollte unbedingt Rechtsrat und Steuerberatung eingeholt werden von Personen, die sich im dortigen Recht auskennen.

 

Wenn sich jemand entschließt, seine Angelegenheiten zukunftssicher zu regeln, ist das auch der richtige Zeitpunkt ist, darüber nachzudenken, ob und in welcher Form für solches Auslandsvermögen vorzusorgen ist. Das gilt insbesondere für den Erbgang. Manche ausländische Steuervorschriften sind dafür extrem ungünstig.

 

Bei der Bewertung des Hausrates ist es am einfachsten, die Deckungssumme der Hausratsversicherung zugrunde zu legen. Sollte die nicht bekannt sein, werden üblicherweise 650€/qm Wohnfläche zugrunde gelegt.

 

Stichtag für alle Bewertungsangaben ist der Tag der Unter­schrift.

 

Schätzungen dürfen ungenau sein, aber nicht völlig unzutreffend. Sonst läuft der Vollmachtgeber Gefahr, dass die Urkunde für unwirksam gehalten wird, weil der Vollmachtgeber den Überblick über seine Vermögensverhältnisse verloren hat. Die Vollmacht wird damit anfechtbar und nicht an­erkannt, weil sie nicht ausreicht, gegebenenfalls im Notfall über größere Vermögens­gegenstände zu verfügen. Firmen(-anteils-) werte sind nach dem bereinigten Bilanzvermögen zu schätzen (d.h. ohne Abschreibungen der Aktiva, also deren Verkehrswert, und incl. Firmenwert, Patente, good will usw).

 

 

Eine solche Ermittlung des Aktivvermögens und der ansonsten im Anhang zur Vorsorgevollmacht abgefragten Daten ist auch eine gute Gelegenheit und Anlass, eine Zwischenbilanz zu erstellen und sich einmal Gedanken zu machen, ob und was der Bevollmächtigte vom Vollmachtgeber eigentlich weiß und wo er die erforderlichen Unterlagen im Notfall findet.

 

 

Grundsätzlich sollte man sich auch darüber im Klaren sein, dass Be­treuungstätigkeit und Ausübung der Vollmacht für den Bevollmächtigten Aufwand und Kosten verursacht, von denen man nicht erwarten kann, dass sie unentgeltlich erfolgen. D.  Bevollmächtigten sollten grundsätzlich alle Auslagen ersetzt werden in großzügiger Weise und der Zeitaufwand ist angemessen zu vergüten aus dem Vermögen des Betreuten, besonders dann, wenn es –andere- Erbberechtigte gibt.

Auf die erbschaftssteuerrechtlichen Sonderfreibeträge für nichtverwandte Pflegepersonen (zurzeit zusätzliche 20.000 €) ist besonders hinzuweisen.

 

In einem notariellen Entwurf einer Vorsorgevollmacht wird der Patient gefragt, ob eine Registrierung im Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer gewünscht wird. Die kostet 13 € und ist wichtig, wenn man Sorge hat, dass die Vollmacht im Notfall nicht gefunden wird, zum Beispiel wenn man oft alleine auf Reisen ist oder alleine lebt. Die zentrale Registrierung stellt sicher, dass die Helfer die registrierte Vollmacht auch finden, egal wo ein Unglück passiert. Hierzu gibt es auch gar einen Film der Bundesnotarkammer im Internet unter der Adresse <s>https://www.youtube.com/watch?v=_vGPMTILXJM</s>.

 

Selbstverständlich kann ein Notar auch ein mitgebrachtes Formular oder getrennte Urkunden für Patientenverfügung, Betreuungsverfügung und die Vorsorge- Generalvollmacht protokollieren.

Sparen lässt sich dadurch aber nichts. Die getrennte Beurkundung solcher Willenserklärungen für zu (geringfügig) höheren Gebühren. Darüber hinaus wird der innere Zusammenhang zwischen Patientenverfügung und Bevollmächtigtenauftrag auseinandergerissen. Es besteht die Gefahr, dass der Bevollmächtigte seinen Willen an die Stelle des Willens des Patienten setzt und niemand kann das bemerken. Eine Geheimhaltung von Einzelheiten in der einen oder anderen Willenserklärung könnte sich leicht dadurch verwirklichen lassen, dass man nur auszugsweise Ausfertigungen erteilt, in denen der unerwünschte Text gestrichen wird. Eine gemeinsame Beurkundung von Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung ist übersichtlicher als eine getrennte, insbesondere auch für den Bevollmächtigten. Alle wesentlichen Verfügungen der Patientenverfügung müssten ansonsten in der Vollmachtserteilung wiederholt werden, was die Angelegenheit nicht einfacher und übersichtlicher macht.

 

Schließlich ist der Gedanke an die Erteilung einer Vorsorgevollmacht für den Ernstfall Anlass, darüber nachzudenken, ob man testamentarisch für den Todesfall vorgesorgt hat. Ein Testament kann man zwar allein und ohne Hilfe eines Notares errichten, aber Anwälte und Finanzbehörden profitieren davon, viele wie viele Fehler dabei von Laien gemacht werden. Das fängt schon bei den zu verwendenden Begriffen an, wer weiß schon, was der Unterschied ist zwischen einem Erbe und einem Vermächtnis.

 

Auch bei der Errichtung eines Tennetestamentes mithilfe eines Notares Bei Kunstsammlungen ergibt sich die Chance, Erbschaftssteuervorteile zu erlangen. Das sollten Sie für ein eventuelles Testament berücksichtigen.

Muss eine Patientenverfügung/Vorsorgevollmacht notariell beurkundet werden?

 

Der Unterschied zwischen Protokollierung und Unterschriftsbeglaubigung ist folgender:  eigentlich ist eine Patientenverfügung überhaupt nicht von einer Form abhängig, sie ist auch privatschriftlich möglich. Allerdings muss eine Unterschrift vom Patienten dann immer regelmäßig wiederholt werden, am besten jedes Jahr, vor jeder Operation und bei Eintreten einer Krankheit mit ungünstiger Prognose, damit nicht infrage gestellt wird, ob der Patient, wenn's ihm dann schlechter geht als zurzeit der Verfassung der Patientenverfügung, immer noch denselben Willen hat.

 

Eine Unterschriftsbeglaubigung beinhaltet nur, dass derjenige, der diese Patientenverfügungen unterschrieben hat, auch der derjenige ist, der sie verfasst hat, es sichert also die Urheberschaft, nicht den Inhalt. Eine Unterschriftsbeglaubigung macht den Inhalt der darüber stehenden Erklärungen nicht stärker oder durchsetzungsfähiger.

 

Im Gegenteil schreibt das Gesetz vor, dass für die Erteilung einer Generalvollmacht eine notarielle Beurkundung erforderlich ist. Nur damit ist sichergestellt, dass der Vollmachtgeber die damit verbundenen Belehrungen und die Betreuung durch den Notar erhält, das ist bei der Form einer bloßen Unterschriftsbeglaubigung nicht der Fall.

Es ist aber gerade der Sinn der Vorsorge- Generalvollmacht, dass der Vollmachtgeber den Vollmachtnehmer ermächtigt, dass der Vollmachtnehmer im Falle der krankheitsbedingten Unfähigkeit wie ein Generalbevollmächtigter handeln kann und nicht nur in Bezug auf einzelne Erklärungen oder Rechtsgeschäfte, so dass die erklärte Vollmacht insgesamt formnichtig werden würde mit nur einer Unterschriftsbeglaubigung.

 

Der entscheidende Unterschied zur Protokollierung ist, dass der Notar sich von der Geschäftsfähigkeit des Patienten überzeugt (und dies auch in der Urkunde dokumentiert) und ihn über die Folgen der getroffenen Vereinbarungen und Anweisungen belehrt. Und nur diese Belehrung macht es entbehrlich, dass ein Patient regelmäßig wiederholt, dass der Wille immer noch sein Wille sei. Ein Wiederholungserfordernis wird aber  problematisch, wenn jemand langsam in die Demenz abrutscht oder aus sonstigen körperlichen oder geistigen Gründen keine Gelegenheit mehr hat, seinen Willen zu dokumentieren oder beweiskräftig zu äußern. Deshalb lässt sich eine solche Beurkundung auch nicht nachholen, weil es dann an der Geschäftsfähigkeit fehlt. Und dann, ehrlich gesagt, war der gesamte Aufwand umsonst. Eine Geschäftsunfähigkeit merkt auch der Arzt. Infolgedessen kommt der Arzt in einen Gewissenskonflikt: macht er sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig, bricht er seine Schweigeverpflichtung, wenn er der Patientenverfügung oder den Anweisungen des Bevollmächtigten folgt. Es soll weiter nicht verschwiegen werden, dass Banken und andere professionelle Institutionen auf eine notarielle Beurkundung bestehen, schon allein um sich selbst vor Schadensersatzansprüchen zu schützen.

 

Die Gebühren des Notares richten sich nach dem Gegenstand der Willenserklärung und dessen Geschäftswert. Die Patientenverfügung selbst ist relativ kostengünstig, weil dort der so genannte „Auffangwert“ von 5000 € angesetzt wird, denn eine Patientenverfügung ist eine nichtvermögensrechtliche Angelegenheit. Das entspricht zurzeit Notarkosten von netto 45 €. Davon gibt es nur Ausnahmen, wenn jemand über ein besonders hohes Vermögen oder hohe Einkünfte verfügt.

 

Die Vorsorgegeneralvollmacht hingegen richtet sich nach dem Vermögen des Patienten, weil schließlich das Vermögen derjenige Gegenstand ist, über den der Bevollmächtigte verfügen können muss. Die dafür entstehenden Kosten kann man leicht dem neuen GNotKG (http://www.gesetze-im-internet.de/gnotkg/BJNR258610013.html , dort § 30 Abs. 3,109 Abs. 2 Satz 1 Nummer 1,110 Nummer 3, KV 21200, gegebenenfalls 26003) entnehmen, diese sind in der gesamten Bundesrepublik gleich.

Die Mitbeurkundung der Betreuungsverfügung wird nicht extra berechnet. Für beide Willenserklärungen gilt der Hebesatz von 1,0.

 

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Sie werden bemerken, dass im Anschluss an die Patientenverfügung und Vor­sorgevollmacht eine Art Checkliste angefügt ist, in der Fragen nach Passwörtern, Lebe­nsversicherungsaktenzeichen usw. aufgelistet werden. Diese ist nicht Bestandteil der Urkunde. Wenn sich jedoch jemand entschließt, seine Ver­hältnisse zu regeln, soll diese Checkliste dazu dienen, zu überlegen, ob die Bevollmächtigten überhaupt wissen, wo diese doch wichtigen Informationen zu finden sind. Diese Checkliste ist also nur eine Anregung, sich darüber Gedanken zu machen.

 

Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass eine Vorsorge­voll­machterteilung ein Testament nicht ersetzt und Anlass sein sollte, sich zu über­legen, ob in dieser Beziehung Regelungsbedarf besteht.

 

Eine letztwillige Ver­fügung sollte man grundsätzlich alle paar Jahre überdenken und anpassen an neue Lebenssituationen (Heirat, Scheidung, Kindervolljährigkeit, neue Lebens­partnerschaft, Immobilienerwerb, berufliche Veränderung, eigene Erbschaft von den Eltern usw).

 

Ein notariell er­richtetes Testament hat den zusätzlichen Vorteil, dass beispielsweise zur Um­schreibung von Immobilieneigentum ein Erbschein nicht mehr benötigt wird und deshalb die Kosten der Beurkundung einer Erbscheinsverhandlung eingespart werden. Die Kosten eines Erbscheinsantragsverfahrens zahlen zwar dann die Erben, aber es ist leicht vorauszusehen, dass zu diesem hoffentlich fernen Zeitpunkt das Nachlassvermögen größer  und die Erbschaftssteuerfreibeträge geiziger sein werden, so dass die Angelegenheit dann teurer wird. Die notarielle Beratung ist also sozusagen kostenneutral zu erhalten.

 

Eine fachkundige Beratung kann auch zu erhebliche Steuerersparnissen führen, jetzt oder im Erbfall. Außerdem schafft ein durchdachtes Testament oder eine vorweggenommene Schenkung Klarheit und vermeidet Verteilungskämpfe unter den Erben.

Mittel, um die eigene Rechtsposition zu wahren und die eigenen Interessen zu sichern, stehen zur Verfügung (Nießbrauchsrechts-, Heimfallrechts-, Woh­nrechtseinräumung mit grundbuchlicher Sicherung).

 

Auch der Schutz des Nachlasses vor Gläubigerzugriff beim späteren Erben kann ein Motiv sein, ein in den heutigen Zeiten nicht zu unterschätzendes Argument.

 

Schließlich ergeben sich bei Schenkungen von vermietetem Immobilieneigentum Steuervorteile deshalb, weil eine Einkommensquelle verlagert wird auf zum Beispiel unterhaltsberechtigte Kinder. Diese haben selbst alle Freibeträge, die jeder hat, der ein Einkommen hat, so dass nicht nur der Unterhalt der Kinder und der Schutz des Vermögens der Familie vor dem Zugriff Dritter (Gläubiger der Eltern) gesichert ist, sondern auch noch Steuervorteile durch mehrfache Ausschöpfung von Freibeträgen. Lassen Sie sich beraten.

 
 
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